Patrick Schimanke bei der Arbeit. pr

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur die ortsansässigen Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn die Schüler der Oberschule Hessisch Oldendorf während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

In den nächsten Monaten werden Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf im Schaufenster vorstellen, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken. Den Anfang macht Orthopädieschuhmachermeister Patrick Schimanke.

„Der Beruf des Orthopädieschuhmachers gehört zu den medizinisch-technischen Handwerksberufen und hat eine lange Tradition“, erzählt er. Laut Wikipedia umfasst das Leistungsspektrum alle schuhtechnischen Maßnahmen zur Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Fußgesundheit. Das fängt bei kleinen individuellen Änderungen am Konfektionsschuh an und reicht über Schuheinlagen bis hin zur Anfertigung von orthopädischen Maßschuhen oder komplexen Orthesen. Neben der umfassenden Beratung gehören Problemlösungen bei Schuh- und Fußproblemen im prophylaktischen und akuten Bereich dazu. Soweit die Theorie.

Patrick Schimanke beschreibt die Arbeit des Orthopädieschuhmachers folgendermaßen: „Bei der Schuhmaßanfertigung arbeiten wir mit natürlichen Materialien wie Kork und Leder, mit Kunststoffen, Gummi und chemischen Stoffen wie Klebstoff. Durch die vielfältigen Krankheitsbilder und die Individualität eines jeden Menschen wird es in diesem Beruf nie langweilig. Außerdem hält moderne Technik wie Fußscanner, 4-D Scanner, elektronische Fußdruckmessung oder 3-D Druck immer mehr Einzug in dieses alte Handwerk. Wer also Interesse an einer Mischung aus Handwerk, Technik und intensivem Austausch mit Menschen (regelmäßig auch mit Medizinern) hat, der ist in diesem Beruf genau richtig aufgehoben. Darüber hinaus ist er zukunftssicher, da es immer kranke Füße geben wird: Heutzutage hat fast jeder Dritte hierzulande Knie- und Rückenprobleme, die unter anderem auf Fußfehlstellungen zurückzuführen sind. Auch die Anzahl an Diabetikern, die auf eine orthopädieschuhtechnische Versorgung angewiesen sind, wächst.“

Schimanke macht es Spaß zu sehen, wie Menschen, die vorher an den Rollstuhl gefesselt waren, mit Hilfe von orthopädischen Maßschuhen mit Laufübungen beginnen und mit weniger Einschränkungen am Leben in der Gemeinschaft teilhaben können. „Orthopädieschuhmacher können mit guter Arbeit sogar Amputationen verhindern und mithilfe von Sporteinlagen, Bandagen oder Kompressionsstrümpfen auch bei jungen Menschen zur Leistungssteigerung beitragen“, fügt er hinzu.

Die Ausbildung findet im dualen System (Schule und Betrieb) statt und dauert 3,5 Jahre. Bei entsprechender Leistung kann die Lehrzeit auf 2,5 bis 3 Jahre verkürzt werden. ah