Bäckermeister Martin Knief in seiner Backstube. ah

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Bäckermeister Martin Knief.

„Als Kind bin ich in Borstel immer an einer Bäckerei vorbeigekommen, da duftete es so herrlich“, erzählt er. Schon früh habe er den Entschluss gefasst: „Ich werde Bäcker.“ Die dreijährige Lehre absolvierte er Anfang der 80er Jahre in Hessisch Oldendorf bei Bäckermeister Wilhelm Lutter. „Wir Lehrlinge mussten gut rechnen können für die Maßangaben in den Rezepten, natürlich früh aufstehen, pünktlich und zuverlässig sein und uns auf andere Menschen einstellen können.“ Heute sei das noch ganz genau so, betont Knief. Während in Lutters Backstube Roggenmischbrot, Fünf-Kilo-Kastensemmel, Hörnchen, Weizen-, Camping- und Rosinenbrötchen gebacken wurden, bereitete der Auszubildende im Keller häufig auch Torten zu. „Käse-Sahne-Torte ging am einfachsten“, verrät er.

Nach Bundeswehr und Arbeit als Geselle bei der Bäckerei Schäfer in Kleinenbremen besuchte Martin Knief die Meisterschule in Hannover. 1994 machte er sich selbstständig, als für die Bäckerei Habermann/Leucht in der Langen Straße 64 ein Nachfolger gesucht wurde.

Vieles habe sich in den knapp 25 Jahren verändert: „Unverträglichkeiten sorgen für weizen- und glutenfreies Backen, Dinkel rückt in den Vordergrund, Gebäck ist nicht mehr so süß wie früher.“ Der Trend gehe zur Großbäckerei, in der Backwaren maschinell erstellt werden - kleine Betriebe sterben mangels Nachwuchs aus. „Bei uns wird noch von Hand gebacken und an unserem festen Kundenstamm sehen wir, dass Qualität gefragt ist und der Trend vielleicht doch zurück zur Handarbeit geht“, sagt Knief. Aktuell backen er und Sohn Daniel zusätzlich zum Sortiment Kekse, Gewürzkuchen und Stollen.

„Kreativität ist in unserem Beruf gefragt – es macht Freude, wenn man sieht, dass es den Kunden schmeckt“, fährt der Bäckermeister fort und verschweigt nicht: „Für Auszubildende unter 18 Jahren beginnt der Arbeitstag um 4 Uhr, für Volljährige um 3 Uhr, ich selbst fange bereits um 0.30 Uhr an. Die Freizeitgestaltung muss eben zu anderen Uhrzeiten stattfinden.“

„Bäcker ist ein Beruf mit Zukunft, gute Leute sind gefragt“, betont Knief und ergänzt: „Auf den Meister aufbauend kann man sich zum Betriebswirt des Handwerks, Berufsschullehrer, Lebensmittelkontrolleur oder -techniker weiterbilden.“

Wer Interesse an einer Ausbildung zum Bäcker hat: In der Bäckerei Knief werden zum 1. Januar sowie zum 1. August 2019 neue Lehrlinge aufgenommen, ab sofort auch Bäckergesellen eingestellt. „Wichtig ist mir, dass die jungen Leute rechnen können“, so Knief. ah