Hörakustikmeisterin Stephanie Hengstermann bei der Arbeit. ah

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur die ortsansässigen Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn die Schüler der Oberschule Hessisch Oldendorf während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken. In dieser Ausgabe berichtet Hörakustikmeisterin Stephanie Hengstermann:

„Auf der Suche nach einem Beruf, der meinen Fähigkeiten und Interessen entspricht, habe ich meine schwerhörige Mutter zum Hörakustiker begleitet. Handwerkliches Geschick bei der Reparatur der Hörsysteme und Umgang mit Menschen - dieses abwechslungsreiche Berufsbild hat mir gefallen“, erzählt sie und gesteht, schon als Kind „solchen Fummelkram“ geliebt zu haben.

Nach ihrer Lehre in Osnabrück („mit engagiertem Ausbildungsleiter, einer perfekten Werkstatt und einem Laborleiter, der mir die nötigen Kniffe beibrachte“) und dreijähriger Gesellenzeit machte Stephanie Hengstermann ihre Meisterprüfung. Seit genau 20 Jahren ist sie Hörakustikmeisterin, ihr damaliger Ausbilder, Thorsten Gerland ist heute ihr Geschäftspartner.

„Wer sich für diesen Beruf interessiert: Unser Ohr ist ein Wunderwerk, unser Gehör ein komplexes System, wo die Schallaufnahme im Organ und die Schallverarbeitung im Gehirn passiert. Der Hörakustiker nimmt das Hörvermögen mit moderner Messtechnik audiometrisch auf. Dabei wird die Hörschwelle für Töne ermittelt und das Sprachverstehen bei verschiedener Lautstärke. Anschließend klärt er Betroffene und Angehörige auf, wo das Hörvermögen in ihrem Fall ausgeglichen werden muss und was ein Hörgerät zur Verbesserung der Lebensqualität leisten kann. Außerdem nimmt er einen Abdruck der Ohren und fertigt eine Otoplastik an. Fachwissen über Herstellersoftware und Hörsystemausstattung, Reinigung der Geräte, Reparaturen, Feinjustierung und vor allem Beratung – das alles gehört zum vielseitigen Berufsbild“, so Hengstermann, für die Kundenzufriedenheit die beste Belohnung ist. Ihr Tipp: „Ein Hörakustiker sollte gut zuhören können und empathisch die Problemfelder, die durch die Schwerhörigkeit entstehen, mit den Kunden besprechen.“

Die Ausbildung dauert drei Jahre, bei Umschulung zwei Jahre. Der Lehrling ist hauptsächlich im Betrieb, muss allerdings für drei bis fünf Wochen zum Blockunterricht nach Lübeck in die Berufschule. „Im Tätigkeitsbereich hat sich viel verändert: Vor 25 Jahren habe ich noch mit Schraubendreher analoge Geräte eingestellt, mittlerweile ist alles digitalisiert. Wir haben Hochleistungs-Kommunikations-Minicomputer, die den Hörsytemträger in verschiedenen Alltagssituationen bestmöglich unterstützen können. Auch wenn die Zahl von Anbietern im Netz steigt: Die Erfahrung von Hörakustikern ist nicht ersetzbar, sie werden durch den wachsenden Bedarf infolge des demografischen Wandels mehr denn je gebraucht. Da Fachkräfte fehlen, ist Hörakustiker also ein Beruf mit Zukunft.“

Stephanie Hengstermann hat aktuell den zweiten Umschüler, der primär in der Filiale in Aerzen ausgebildet wird. „Wir sind immer auf der Suche nach interessierten jungen Menschen, die diesen Beruf erlernen wollen, bieten ein tolles betriebsinternes Schulungsangebot und finanzielle Unterstützung bei der Unterbringung in der Berufsschule in Lübeck“, so die Hörakustikmeisterin. ah