Maler- und Lackierermeister Jochen Huch bei der Arbeit. ah

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur die ortsansässigen Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn die Schüler der Oberschule Hessisch Oldendorf während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe Maler- und Lackierermeister Jochen Huch.

„Mein Interesse am Gestalten zeigte sich früh und da ich aus einer Handwerkerfamilie komme - mein Vater war Maurerpolier und Zimmermann, habe ich mich für diesen Beruf entschieden“, erzählt er und fährt fort: „Das Maler- und Lackiererhandwerk ist sehr vielfältig, schon während der dreijährigen Lehrzeit wird sichtbar und langfristig Schönes geschaffen.“ Der Beruf ermögliche Azubis an unterschiedlichen Orten und Bauten zu arbeiten und mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen.

Grundlage der Ausbildung bilden im Unterricht an der Berufsschule die Fächer Werken, Technik, Mathematik und Chemie. „In der Lehrzeit kann man aus drei Fachrichtungen wählen: Gestaltung und Innengestaltung, Bauten- und Korrosionsschutz sowie Denkmalpflege“, berichtet Huch und erklärt: „Das Gestalten von Innenräumen und Fassaden, das Verschönern von Wänden mit verschiedenen Maltechniken, Dekorputzen oder Tapeten – das ist abwechslungsreich und spannend.“ Gleichzeitig lerne man Inhaltsstoffe, Beschaffenheit der Materialien, Bausubstanzen und Arbeitsmethoden kennen - und den Umgang mit Kunden.

Aktuell hat der Hessisch Oldendorfer neben drei Gesellen im Alter von 46, 37 und 28 Jahren den siebten Auszubildenden im Betrieb, auch Lehrlinge mit Handicap hat er schon erfolgreich zur Gesellenprüfung geführt.

So manches habe sich im Malerhandwerk weiterentwickelt: „Heute haben wir leicht aufzubauende Alugerüste, Putz-, Spritz- und Tapezier-Maschinen erleichtern das Arbeiten“, so Huch. In Sachen Farben sei ebenfalls viel geschehen: „Wir verwenden heute zumeist wasserlösliche Farben, die absolut geruchsneutral sind – der Gestank von auf Öl basierender Farbe und Terpentin gehört gottlob der Vergangenheit an.“ In den letzten Jahren besinne man sich auch wieder auf ganz alte Materialien zurück, auf Lehm- und Kalkputze sowie auf mineralische Farben und Putze. „Wir haben in unserer Firma schon früh auf wasserlösliche, geruchsneutrale Farben und umweltfreundliche oder baubiologische Putze gesetzt, heute weiß man mehr denn je deren Qualität und Güte zu schätzen“, betont Huch.

Als das Schönste an seinem Beruf empfindet er den „Vorher–Nachher-Effekt und glückliche Kunden.“ Zugleich verrät er: „Bis heute gehe ich gern zur Arbeit und bin immer wieder fasziniert, was man nach intensiver Kundenberatung mit einer guten Wandgestaltung aus einem Raum machen kann.“

Laut Huch sind Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachleute vorhanden, Praktika im Vorfeld allerdings sehr wichtig, um zu erfahren, ob einem das Handwerk liegt und was der jeweilige Beruf zu bieten hat. Deshalb beteiligt sich die Firma Huch Farbgestaltung seit Jahren an Zukunftstagen in Schulen und präsentiert sich auf Handwerksmessen.

Wer es als junger Mensch nicht bei einer Ausbildung zum Malergesellen belassen möchte, hat Aufstiegsmöglichkeiten: zum Meister oder zum Fachwirt des Handwerks. Er kann sich außerdem auf den Denkmalschutz spezialisieren. ah