Annette Hothan bei "Beauty Dreams". ah

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur die ortsansässigen Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn die Schüler der Oberschule Hessisch Oldendorf während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Um das Interesse des Nachwuchses zu wecken, stellt Podologin Annette Hothan in dieser Schaufenster-Ausgabe ihren Beruf vor.

„Da mir der Umgang mit Menschen viel Spaß macht, war mir früh klar, dass ich einen Beruf erlernen möchte, der dies mit sich bringt“, erzählt sie. 15 Jahre war die Hessisch Oldendorferin als Zahnarzthelferin tätig, danach sattelte sie um und erlernte auf der Bundesfachschule für Orthopädie-Schuhtechnik in Hannover die medizinische Fußpflege. 2006 schloss sie auf der Fachakademie Gesundheitswesen in Hannover eine zweijährige Podologenausbildung an. „Dabei handelt es sich um einen nichtärztlichen Heilberuf, der staatlich anerkannt ist“, erklärt sie und fährt fort: „Podologen unterstützen mit ihrer Arbeit Dermatologen, Diabetologen und Orthopäden.“ Sie arbeite aber auch gerne mit Chirurgen zusammen, könne etwa bei eingewachsenen Fußnägeln mit einer Nagelspange Abhilfe schaffen, bevor operiert werden müsse.

Podologen leisten echte Handarbeit am Fuß – „und dabei ist Fingerspitzengefühl ganz wichtig“, sagt Annette Hothan, die manche Behandlungen mit einem warmen Fußbad beginnt. Zu ihren am häufigsten verwendeten Arbeitsgeräten zählen verschiedene Zangen, ein Skalpell, ein elektrisches Handstück mit unterschiedlichen Bohraufsätzen und eine Sonde. „Meine Tätigkeit ist sehr vielfältig: Ich behandle normale wie deformierte, verdickte wie eingewachsene Zehennägel sowie Nagelpilz, entferne Hühneraugen, übermäßige Hornhaut und Schwielen“, so die Podologin und betont: „Der Beruf verlangt Verantwortung, korrektes Arbeiten und Einfühlungsvermögen gegenüber den Patienten.“ Das Tätigkeitsfeld habe sich gut entwickelt, gerade Diabetiker seien auf eine podologische Komplettbehandlung angewiesen, bevor es zu Amputationen komme. „Mit einer Heilmittelverordnung durch den Hausarzt oder Diabetologen kann ich durch meine Kassenzulassung direkt mit den Krankenkassen abrechnen“, fügt sie hinzu.

Voraussetzung für die Zulassung zur Podologenausbildung ist ein mittlerer Bildungsabschluss. Schüler mit Hauptschulabschluss können aufgenommen werden, wenn sie eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer vorweisen können. Mit einer schriftlichen, praktischen sowie mündlichen Prüfung schließt die Ausbildung ab. „Podologen haben Zukunft – nicht nur, weil es immer mehr Diabetiker gibt. Durch die Weiterbildungen, die wir regelmäßig besuchen, sind wir stets auf dem neuesten Stand und können das neu Erlernte an unsere Kunden weitergeben“, sagt Annette Hothan. ah