Tischlermeister Karsten Bock bei der Arbeit an der Werkbank. ah

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Tischlermeister Karsten Bock.

Durch die Bau- und Möbeltischlerei, die sein Vater in dritter Generation führte, wuchs bei ihm schon früh das Interesse an jenem Beruf und so schloss er an sein Abitur eine Tischlerlehre an. Normalerweise dauert sie drei Jahre (pro Woche zwei Tage Berufsschule, drei Tage Betrieb). „Die Lehrzeit kann sich bei guten schulischen Leistungen auch verkürzen“, sagt der 49jährige, der 1995 die Tischlermeisterprüfung bestand und seit 1996 auch Betriebswirt des Handwerks ist. 1997 machte sich Bock selbstständig, bildete pro Jahr zwei Lehrlinge aus.

„Zu Beginn der Ausbildung lernen sie Aufbau und Organisation eines Betriebs kennen, auch Gesundheit und Ordnung sowie Umweltaspekte stehen auf dem Lehrplan. Wichtig ist, dass die Lehrlinge neben der Theorie ihr Handwerkszeug, etwa das Schärfen eines Stecheisens oder einer Feinsäge sowie den Umgang mit verschiedenen Handhobeln beherrschen, bevor sie an die Maschinen herangehen“, erklärt er und ergänzt: „Am Ende des ersten Lehrjahrs mussten sie bei mir aus einer Bohle per Hand ein Fenster bauen können. Im Vorfeld hatten sie gelernt, wie Holz gewachsen und wie es von Hand mit Säge oder Hobel zu bearbeiten ist. Erst danach nahm nach genauer Anweisung die Arbeit an Maschinen zu.“

Oberflächenbehandlung, Service- und Instandsetzungsarbeiten – all das stehe auf dem Lehrplan. „Heute spezialisiert man sich auf Möbel- und Innenausbau oder Fenster- und Türenbau“, betont Karsten Bock, der nach wie vor großen Gefallen daran findet aus einem Kundenwunsch mit eigenen Ideen ein individuelles Stück zu schaffen. „Für maßgefertigte Schränke oder Bauelemente wird eben doch noch der Tischler benötigt, unsere Arbeit hebt sich von der Massenproduktion ab und das beglückt und befriedigt“, sagt er und fügt hinzu: „Ohne moderne Technik geht es heute aber nicht mehr: Bohren, Fräsen, Sägen und Kantenbearbeitung übernehmen heute schon oft CNC-Bearbeitungszentren.“

Tischler sei eine gute berufliche Grundlage, betont er und erläutert: „Gesellen können sich weiterqualifizieren, ob als Meister im Handwerk oder Techniker in der Industrie oder der Ausbildung ein Studium, etwa Architektur folgen lassen. Eine Förderung bietet beispielsweise der Bundesgestaltungswettbewerb 'Die gute Form'.“

Seit 2005 lebt Karsten Bock in Hessisch Oldendorf. Er bildet nicht mehr aus, sondern führt mit seiner Frau, Inhaberin Katrin Söffker-Bock, das Möbelhaus Sola Möbel, in dem er insbesondere für Verkauf und Montage zuständig ist. „Wer sich für eine Tischlerlehre interessiert: Wir haben noch viele Tischlerbetriebe im gesamten Stadtgebiet wie Berlitz, Hoff, Grope, Heinecker, Redeker oder Rinne, um nur einige zu nennen.“ ah