Maurermeister Carsten Beißner. Foto: Daniela Möller

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Maurermeister Carsten Beißner.Auf den ersten Blick scheint der Beruf des Maurers kein Traumberuf zu sein, denn bei Wind und Wetter muss er im Freien arbeiten, die körperliche Arbeit wirkt abschreckend. Carsten Beißner, Sohn eines Modelltischlers, hat früh handwerkliches Interesse gezeigt und sich für den Maurerberuf entschieden. Schon als Jugendlicher fasste er beim Bau eines Hauses in der Familie mit an und konnte dessen Entstehen hautnah verfolgen.

Nach dem Hauptschulabschluss begann Beißner 1989 als 17jähriger eine Maurerlehre. Seine wichtigsten Arbeitsgeräte waren Kelle und Betonmischer, die Theorie wurde in der Berufsschule und der überbetrieblichen Ausbildung im Blockunterricht vermittelt. „Maurer- und Klinkerarbeiten, Schalungs- und Betonarbeiten lernt man im Lehrbetrieb, die Arbeit in der Maurerkolonne und damit im festen Team von Mitarbeitern macht Spaß - und am Ende des Tages sieht man, was man geschafft und geschaffen hat, das ist ein schönes Gefühl“, sagt er.

Carsten Beißner arbeitete nach der Ausbildung als Geselle, absolvierte seine Bundeswehrzeit und qualifizierte sich dann, als Jüngster in seinem Lehrgang, zum Meister. Die Meisterschule kann man nebenberuflich durchziehen oder wie er in einem Vollzeitlehrgang. Mit einem zunächst kleinen Baugeschäft machte sich der Maurermeister 1999 selbständig. Das Ziel waren kleinere Rohbauarbeiten, schnell jedoch kam der erste Auftrag für ein Einfamilienhaus. So stellte er den ersten Mitarbeiter ein, griff aber auch selbst noch zur Kelle. Nach und nach wurde das Unternehmen größer, schon ein Jahr später entschloss er sich auch Maurer auszubilden. „Mein erster Lehrling arbeitet immer noch in meiner Firma. Erfolgreich hat er einen Werkpolier-Lehrgang absolviert und ist inzwischen Vorarbeiter einer Kolonne von fünf Maurern“, so Beißner, zu dessen Betrieb heute 25 Mitarbeiter gehören.

Der Bau schlüsselfertiger Häuser sei eine Herausforderung gewesen, für die er viel Neues lernen musste; eine Weiterbildung zum Bausachverständigen habe dazu beigetragen. Carsten Beißner erklärt: „Es gibt immer wieder neue Anforderungen an den Beruf des Maurers, neue DIN-Normen und energietechnische Erkenntnisse müssen umgesetzt werden - dadurch wandelt sich der Beruf. Heute muss man nicht mehr so schwer schleppen wie früher, auf jeder Baustelle gibt es technische Hilfsmittel wie einen Kran, mit dem Steine befördert werden.“

Er fährt fort: „Maurer werden händeringend gesucht – ich bilde auch gern selbst in meinem Betrieb aus. Es ist ein schöner Beruf, für den man technisches Verständnis braucht und handwerkliches Geschick. Als Einstieg eignet sich ein Praktikum, um festzustellen, ob einem diese Arbeit Spaß macht. Gern spreche ich mit jungen Menschen, die sich in ihrer Berufswahl noch nicht ganz sicher sind und vermittle den passenden Innungsbetrieb in der Kreishandwerkerschaft, in der ich Mitglied bin. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung und Qualifizierung - und es gibt viel zu tun, gebaut wird immer“, betont Carsten Beißner, für den der Beruf des Maurers nach wie vor „mein Traumberuf“ ist. ah